THEATER IM
PFALZBAU
Pfalzbau 10 Schauspiel
Schauspiel

De Profundis

SamstagSamstag14. November14.11.202619:30 UhrTickets 26 - 51 €
Schauspiel

De Profundis

Am 25. Mai 1895 wird der irische Autor Oscar Wilde zu zwei Jahren Einzelhaft verurteilt. Für den brillanten Intellektuellen, den schillernden Dandy ist der Sturz tief. Zur Last gelegt wird ihm seine offen ausgelebte Homosexualität, beklagt durch den Vater seines Geliebten Alfred Douglas. Kurz zuvor noch erlebte Wilde mit seiner Komödie Bunbury einen triumphalen Erfolg. Er schien angekommen in einer Gesellschaft, deren Äußerlichkeit er zugleich glamourös feierte und ironisch unterlief. Und die er dringend brauchte als Parkett und Spiegel seiner extravaganten Lebensweise. Nun findet er sich in einer Gefängniszelle wieder, seiner Würde, ja seiner gesamten Identität beraubt. Aus dieser Qual heraus entsteht einer der längsten Briefe der Weltliteratur, später wird er unter dem Titel De Profundis bekannt. Gerichtet ist er an Alfred Douglas, aber weit mehr als die Klage eines verlassenen Liebhabers ist er der Aufschrei eines von der Gesellschaft Verstoßenen, ein letztes literarisches Kunstwerk voller Leidenschaft und Schmerz.

Mit Leib und Seele gibt sich Jens Harzer dieser Passionsgeschichte hin. Ein zellenartiger Kubus schafft auf der Bühne die Enge, die Oscar Wilde in seiner Haft empfunden haben mag. Aus dieser physischen Beschränkung erwächst in einer einzigartigen Dimension die Sprache. Hier wird plausibel, warum Oliver Reese gerade diesen Text Jens Harzer übereignet hat, der damit sein Debüt am Berliner Ensemble gibt. Kaum jemand kann Sprache derart sezieren, zum Klingen bringen, in emotionale Zustände verwandeln. Harzer schützt sich nicht vor Wildes Schmerz, er nimmt ihn ganz in sich auf, übergibt sich fast genießerisch seiner Macht. Am Ende findet Oscar Wilde versöhnliche, hoffnungsvolle Worte. Erholen wird er sich nicht mehr, zwei Jahre nach seiner Haftentlassung stirbt er mit nur 49 Jahren.

Von Oscar Wilde in einer Bearbeitung von Oliver Reese

Werkschau Berliner Ensemble

Inszenierung Oliver Reese
Bühne Hansjörg Hartung
Kostüme Elina Schnizler
Licht-Design Steffen Heinke
Musik Jörg Gollasch
Dramaturgie Johannes Nölting
Mit Jens Harzer

GROSSE BÜHNE
SA, 14.11.26, 19:30 UHR, S 2, 3/9 F
Preise 52 € / 43 € / 35 € / 27 €
Dauer ca. 1 Stunde 50 Minuten, keine Pause