revolver besorgen


THEATERSAAL

Do, 24.11.2011, 19.30 Uhr [WA]
Fr, 25.11.2011, 19.30 Uhr


revolver besorgen

Tanz: Brit Rodemund
Konzept, Regie und Choreographie: Helena Waldmann
Stückentwicklung und Dramaturgie: Dunja Funke
Musik: Gustav Mahler, Johann Strauss, Zeitkratzer, Nat King Cole
Licht: Herbert Cybulska, Kostüme: Mari Krautschick
Helena Waldmann und Ecotopia Dance Productions in Koproduktion mit dance 2010, Festspiele Ludwigshafen, Forum Freies Theater Düsseldorf, Grand Théâtre Luxembourg, Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, O Espaco Do Tempo Montemor-O-Novo
Einheitspreis: 21 / erm. 11 Euro


„Die Arbeit Helena Waldmanns ist ein Glücksfall fürs Theater. Die Berliner Choreographin ist eine Magierin der Bühne, die weiß, dass ein Stück nur gelingt, wenn es das Spiel mit Illusionen bedient. Und sie ist eine kritische, intelligente Instanz, die über die Mechanismen des Theaters auch gesellschaftliche, politische Konventionen hinterfragt. Sinnliches und Nachdenkliches gehen da immer zusammen.“ Andrea Kachelrieß, Stuttgarter Nachrichten

Helena Waldmann, bekannte Tanzregisseurin und für ihre politisch avantgardistischen Tanztheaterstücke bekannte Choreographin, widmet sich in ihren Werken immer wieder ungewöhnlichen, ja brisanten Themen. Ob sie sich nun mit der Situation der Frau im Iran, dem politischen Klima in Palästina oder aber – wie in ihrem aktuellen Stück – mit dem Thema des persönlichen Glücksempfindens der Menschen künstlerisch beschäftigt – immer lässt sie sich sehr persönlich und intensiv auf ihr Sujet ein und findet in ihren tänzerischen Bühneninterpretationen packende, kraftvolle Bilder.
In „revolver besorgen“ – der Titel lässt es zunächst nicht erahnen – greift Helena Waldmann nun ein Thema auf, das gegenwärtig in verschiedenen Romanen und Theaterstücken anderer Künstler sehr präsent ist: das Thema Demenz. Doch auch in dieser Produktion nähert sie sich ihrem Sujet auf ungewöhnliche Weise: Erstaunlich heiter, erstaunlich komisch kreist "revolver besorgen" um “das große Vergessen“ als eine positiv befreiende Fähigkeit des menschlichen Gehirns - und wittert ein darin liegendes mögliches Glück. Mit der grandiosen Tänzerin Brit Rodemund ist ein groteskes, auch heiter-humorvolles Tanzstück gelungen, „das über Zwänge und die Verlockungen eines Ausbruchs daraus nachdenkt“.
Schon allein, wie Brit Rodemund im zackigen Marschschritt und zu rhythmisch knatternden Schüssen die Zuschauer geradewegs in die Aufführung reißt, wirft gleich zu Beginn jede konventionelle Erwartungshaltung über den Haufen. Es folgt eine tänzerische Tour de Force durch einen geistigen Zustand, der so total vom Augenblick lebt, dass er weniger Beschränkung schildert, als vielmehr Freiheit zu erzeugen scheint. Helena Waldmann lässt die großartige Brit Rodemund an ihre Grenzen gehen und entwirft so ein wunderbar starkes Stück. Begleitet wird sie von einem Soundtrack von Johann Strauss bis zu den Klangpionieren von zeitkratzer. Dazu analysieren und erklären immer wieder eingespielte Interviews mit Medizinern und anderen Experten die Psychologie, aber auch die neurologischen Symptome bei Menschen mit Demenz. Am Ende schließt sich der Kreis. Die Performerin versinkt und verschwindet in eine Sphäre, die an diesem Abend gleich mehrfach, gesungen und gesprochen, beschworen wird: Gustav Mahlers Vertonung von Friedrich Rückerts Gedicht „Ich bin der Welt abhanden gekommen.“
Keine Sekunde lang ist "revolver besorgen" kitschig, bitter oder zynisch. Mit ihrer Choreographie verspricht Helena Waldmann einen berührenden Abend mit kraftvollen Bildern und humorvollen Texten.

Hinweis:
Zur Einstimmung auf das Tanztheaterstück findet am Mittwoch, 23.11.2011, um 19.30 Uhr im gläsernen Foyer des Theaters im Pfalzbau unter dem Titel Munition besorgen ein Gespräch mit Helena Waldmann statt, in dem sie die persönlichen und gesellschaftlichen Hintergründe der Choreographie erläutert. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung beträgt 5 Euro.



Foto: Oskar Henn