 THEATERSAAL
 Do, 3.5.2012, 19.30 Uhr [BR 2] 
 New Work
 Choreographie: Edouard Lock Musik: Gavin Bryars, Blake Hargreaves LaLaLa Human Steps Preise: 44 Euro, 37 Euro, 30 Euro, 23 Euro
Mit diesem zugleich romantischen und technisch herausfordernden Werk beging die kanadische Compagnie LaLaLa Human Steps ihren 30. Geburtstag, den sie zu Beginn des Jahres 2011 allerdings nicht zu Hause in Montréal feierte, sondern im Het Muziektheater in Amsterdam. Wenig gerecht scheint dieser neuesten Kreation Edouard Locks ihr Titel zu werden: New Work nannte sie ihr Schöpfer schnöde, ein kleines Understatement in Anbetracht der frenetischen Kritik, mit der sie bedacht wurde. Anscheinend hat sich Lock mit diesem seinem neuesten Wurf selbst übertroffen und die Messlatte, die er mit Werken wie Amelia (2002) oder Amjad (2007) ohnehin schon hoch gesetzt hat, noch überboten. Auch in New Work verzichtet Lock nicht auf endlose schwindelerregende Drehungen, die seine Tänzerinnen im Spitzentanz vollführen, aber die Bewegungslinien erscheinen lockerer, entspannter, ohne die gnadenlose Anspannung, die man aus seinen früheren Werken kennt. In auffälliger Dramatik führt Lock, der als einer der unsentimentalsten Choreographen gilt, seine Tänzerinnen und Tänzer in kurzen oder vergeblichen Begegnungen zusammen, um sie im nächsten Moment wieder zu trennen. Inspiriert wurde er bei der Inszenierung dieser verzweifelten Versuche, mit anderen Menschen eine (Ver-) Bindung aufzunehmen oder einzugehen, von zwei klassischen Liebesgeschichten: Dido und Aeneas und Orpheus und Eurydike. Ihnen entnimmt er die Erkenntnis, dass alle Beziehungen, ganz gleich, wie intensiv sie sein mögen, der menschlichen Sterblichkeit unterworfen sind. »Das fühlt sich wirklich wie ein Ballett des 21. Jahrhunderts an!«, stellte die russische Prima Ballerina Diana Vishneva fest, mit der Lock den weiblichen Solo-Part für die Uraufführung in Amsterdam erarbeitete. In ihrer Beschreibung hört sich die Probenarbeit wie ein Abenteuer an. Es gab weder Spiegel noch Musik, was Lock für das Schlussduett vorgesehen hatte, hörte sie erst zwei Tage vor der Premiere. »Edouard bat mich, ihm zu vertrauen, und ich tat es. Ich tanzte mit seinen Augen.«, schildert sie die Herausforderung einer ungewöhnlichen Arbeitsweise, die ihr zuweilen schlaflose Nächte beschert hatte: »Zunächst lernte ich die Schritte langsam, aber nachts fragte ich mich, wie es mir am nächsten Tag gelingen sollte, sie schnell zu tanzen.« Die Europa-Tournee wird LaLaLa Human Steps in teilweise neuer Aufstellung antreten, Vishnevas Rolle wird eine Tänzerin aus Edouard Locks hervorragendem Ensemble übernehmen. 
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