 THEATERSAAL
 Mi, 13.6.2012, 19.30 Uhr [S, TG 4, TG 7, JA] Do, 14.6.2012, 19.30 Uhr [SG B, TG 6, WA] Sa, 16.6.2012, 14.30 Uhr [SEN 2] 
 Tannöd
 Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Andrea Maria Schenkel Regie: Reinhard Karow Bühne und Kostüme: Birgit Stoeffel Koproduktion Pfalztheater Kaiserslautern und Theater im Pfalzbau Ludwigshafen Preise: 33 Euro, 28 Euro, 23 Euro, 18 Euro Seniorenvorstellung: 14 Euro
Die eigenbrötlerische Bauernfamilie Danner wird auf ihrem abseits gelegenen Berghof in Tannöd erschlagen aufgefunden. Es gibt keine Motive, keine Spuren, nur noch schneidende Angst im idyllischen Dorf. Schlag auf Schlag werden in szenischen Protokollen, Gesprächen und rückblendenden Reflexionen die Gründe für diese Tat aufgespürt, die in tiefe Abhängigkeiten, sexuelles Begehren, Schuld und Verstrickung führen. Komprimierte, authentische Stellungnahmen von Dorfbewohnern werden mit Aussagen der künftigen Opfer zu einem dramatischen Bericht verflochten, der ein eindringliches Porträt einer bigotten, heuchelnden Gemeinschaft gibt. Schenkels Entscheidung, das Geschehen in die 50er Jahre zu versetzen, verstärkt die Atmosphäre verdrängter Taten, sie lässt politisch werden, was als private Tragödie hätte abgetan werden können. Blutbad und Familiengeschichte rekonstruiert sie mosaikartig aus ineinander geschnittenen Berichten der Dorfbewohner, inneren Monologen und realistischen Betrachtungen der Geschehnisse. Alle kommen zu Wort, auch der Mörder. Die einzelnen Stimmen mischen sich zu einem Chor aus Lebenden und Toten, Schuldigen und Unschuldigen, Tätern und Opfern, wobei eindeutige Zuweisungen im Verlauf der Geschichte immer schwerer fallen. Schenkel zeichnet mit brillanter Sprache präzise die Wirklichkeit nach. Abgestoßen und fasziniert zugleich verfolgt der Zuschauer die Weltabgewandtheit, Bigotterie und blinde Obrigkeitstreue, die die Figuren deformieren, ihre Lebenswege bestimmen – und zwangsläufig ins Unglück führen.
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