 STUDIO
 Fr, 4.5.2012, 11.00 und 19.30 Uhr [JA] 
 Human Checkpoint – Winter in Qualandia
 Stück von Lia Nirgard Regie: Sabine Loew Ausstattung: Andrea Uhmann mit: Angelika Sieburg, Nicole Horny, Anja Bilabel Wu Wei Theater Einheitspreis: 18 / erm. 10 Euro
Wenn man in einem relativ geschützten, von größeren Katastrophen verschonten Teil Europas lebt, fällt es schwer, sich den alltäglichen Wahnsinn an einer Straßensperre zwischen Jerusalem und Ramallah vorzustellen. Um die Entmenschlichung nachzuvollziehen, mit der die mechanisch funktionierende Schleuse des Checkpoints zwischen Israel und der Westbank einhergeht, ist das Wu Wei Theater eigens nach Israel gereist und ließ die manchmal mehrstündige Prozedur der Einreise auf sich einwirken. Und nicht nur das, die Gruppe besuchte auch die Autorin und ihre Mutter in Tel Aviv, um sich von einer Überlebenden des Holocausts die traumatisierende Erfahrung von Gewalt vermitteln zu lassen. In einem spielerischen, formbewussten Erzähltheater, zwischen Kisten, Kartons und Rollcontainern, treibt das Wu Wei Theater die Absurdität der alltäglichen Schikanen, geboren aus einer grotesken Wirklichkeit, auf die Spitze: »Zum rhythmisch klopfenden Elektroniksound ertönen Fragen und Kommandos, mechanisch und emotionslos: öffnen, Schmuck in die Boxen, Messer raus, Lebensmittel weg. Wie im Turnunterricht folgen die drei den Anweisungen, entfalten Intimitäten in der Öffentlichkeit. Sie müssen mitspielen, sie haben ein Ziel. Aber es gibt wieder eine Explosion, es wird geschrien, es wird der Sinn der Anweisungen hinterfragt.« Jürgen Richter, faz, 14. Juli 2010 Die »drei« heißen Angelika Sieburg, Nicole Horny und Anja Bilabel. Sie spielen Tel Aviver Frauen, deren Weg sie täglich an den Wachen und den Palästinensern vorbeiführt, weil sich die Schule oder die Arbeit auf der anderen Seite der Grenze befindet. Unter dem Zwang eines kontrollierten Daseins nicht die Menschlichkeit und den Humor zu verlieren, ist eine Kunst. Dem Wu Wei Theater gelingt es, in seiner offenen und erfahrungsbezogenen Inszenierung beides durchschimmern zu lassen.
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 Foto: Alexander Paul Englert |

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