Das Land des Lächelns


Die Sehnsucht nach Exotik

Franz Léhars „Das Land des Lächelns“ mit dem Operettentheater Salzburg im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau

Im neuen Jahr mögen Fernweh und die Sehnsucht nach Exotik besonders groß sein. Das Gastspiel des Operettentheaters Salzburg im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau bediente solche Gelüste jedenfalls vortrefflich. Ein hervorragendes Ensemble war zu erleben. Es machte ein Gesangsfest aus Léhars Operette „Das Land des Lächelns“.

Die Sehnsucht nach der Ferne, nach dem Fernen Osten vor allem, war groß in der Zeit der Wende vom 19. Zum 20. Jahrhundert. Die großen Weltausstellungen reizten dieses Bedürfnis ebenso wie die Künstler in ihren Werken.  In der Musik haben Gustav Mahler und Alexander von Zemlinsky die Schönheit des fernen Osten beschworen, Puccini hat das Land der Träume als Oper auf der Bühne entstehen lassen. Bei der allgemeinen China- und Japan-Begeisterung jener Tage durfte die Operette nicht nachstehen. Auch Franz Léhar schuf mit „Das Land des Lächelns“ ein Meisterwerk.
Lisa, die Tochter des Grafen Lichtenfels, schwärmt für alles Exotische. Darum ist sie schnell in den chinesischen Prinzen Sou-Chong verliebt und folgt ihm in dessen Heimat. Klar, dass dies bei ihrem Verehrer Gustl auf wenig Gegenliebe stößt. Zum Glück folgt diese treue Seele ihrer Jugendliebe und rettet sie am Ende vor einem unglücklichen Schicksal.

Das Wien des Fin Siècle ist angedeutet  im Bühnenbild des ersten Aktes. Eine Eingangshalle ist hier zu sehen, Sitzgelegenheiten gibt es keine. Dafür wird der Tee à deux auf Sitzkissen am Boden eingenommen. Zum Tanzen ist somit Platz genug auf der Bühne. Das gehört zu einer Operette und wird in der Inszenierung auch reichlich genutzt. Die Balletttruppe Illo Tempore mit der Choreographin Monica Fotescu-Uta gab sehenswerte Einlagen, auch wenn sie zunächst einen Strauss-Walzer im Léhar-Milieu aufführte. Die selbe Halle, diesmal mit goldfarbenen, geschlossenen Türen, sieht man im China-Akt, und hier nun bekommt der Raum etwas sehr Beengtes. Dafür gab es prächtige Kostüme zu sehen, im Wien-Akt und mehr noch im China-Akt.
 
Daniel Zihlmann hat die besten Anlagen für die Partie des Prinzen. Kräftig heldentenoral ließ er seine schlanke Stimme erklingen, entfaltete kernigen Schmelz ebenso prächtig wie er beseelte Pianotöne mit Kopfstimme klangschön zum Schwingen brachte. Dabei erging er sich weder in Liebesglut noch in Liebesschmerz sondern blieb immer beherrscht und kontrolliert. Samtig schmiegsam und herrlich leuchtend sang Claudia Guarin die Lisa. Wunderbar harmonisierte ihre Stimme mit jener des Tenors in dem Duett: „Wer hat die Liebe uns ins Herz gesenkt“.
„Oh du geliebtes, süßes, kleines, feines Chinagril, mir bricht das Herz im Leib, warum bist du kein Wiener Girl?“ So verabschiedet sich Gustl von Mi, Sou-Chongs Schwester, auf die er ein Auge geworfen hat. Flotte Shimmy-Rhythmen begleiten das Lied. Daniele Camille Bentz sang es mit schmiegsamer Tenorstimme gemeinsam mit Sijia Lu, die eine liebreizende Prinzenschwester abgab. Trefflich besetzt waren die kleineren Rollen. Besonders Manfred Schwaiger als Obereunuch sorgte für großes Publikumsvergnügen, brachte in sein Couplet aktuelle politische Bezüge wie Ärger über das Finanzamt und die Regierung.

Die beliebte Operette mit ihrer finalen Variante nach „Die Entführung aus dem Serail“ ist fast eine Oper. Tiefer Ernst begegnet sich mit Heiterkeit nicht nur in der Handlung, sondern auch in der Musik, die von meisterlich orchestrierten Elegien durchzogen ist. Unter der Leitung von Katalin Doman brachte das Orchester des Operettentheaters Salzburg die Schönheit der Partitur stellenweise zu großer Wirkung, während es bisweilen an Präzision fehlte.

DIE RHEINPFALZ