Antigone

Hansgünther Heymes Inszenierung (…) beansprucht Sophokles als Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts. Auch und gerade in Verbindung mit Wolfgang Schadewaldts Übersetzung überzeugt dieses Konzept.
Scharf konturiert zeichnet Heyme die Personen: Azizè Flittner (Antigone) verbindet vitale Gazellenhaftigkeit mit selbst verleugnender Todessehnsucht; Jana Zöll hingegen – kleinwüchsig und an den Rollstuhl gefesselt – entfesselt den Überlebenswillen ihrer Schwester Ismene.
Peter Kaghanowitch gestaltet Kreon als selbstverliebt tänzelnden Gockel, dem die stereotypen Unterwerfungsrituale seines Sohnes Haimon (Mathias Wendel) wichtiger sind als dessen Anliegen. Seine Tiraden steigert er ins Arienhafte – in ein Mikrofon, das ihm um vieles zu hoch hängt. Am Ende bleibt nicht so sehr ein gebrochener Mensch als vielmehr ein gescheiterter Politagitator.         
Barbara Pálffy, Kurier