THEATER IM
PFALZBAU
Pfalzbau 14 Schauspiel
Schauspiel

Deutschstunde

Samstag 2. April 2.04201619:30 UhrTickets 33 € - 18 €
Sonntag 3. April 3.04201619:30 UhrTickets 33 € - 18 €
Schauspiel

Deutschstunde

Nach dem Roman von Siegfried Lenz

Wie die Figuren aus Siegfried Lenz‘ Roman Deutschstunde ist der niederländische Regisseur Johan Simons in dörflicher Umgebung aufgewachsen. Die Mechanismen einer so überschaubaren, einander ausgelieferten Gemeinschaft sind ihm nur zu bekannt. Und so hat ihn bei der Umsetzung des Stoffes auf der Bühne das Beziehungsgeflecht dieser Menschen besonders interessiert, das von großer Solidarität und Emphase bis zum Verrat des besten Freundes alle Möglichkeiten umfasst. In Deutschstunde hält die Freundschaft zwischen dem Dorfpolizisten Jens Jepsen und dem Maler Max Nansen dem Gewaltregime des Faschismus nicht stand. Nansen, dessen expressive Kunst die Nationalsozialisten provoziert, wird mit einem Malverbot belegt, und ausgerechnet Jepsen soll über dessen Einhaltung wachen. Da spielt es keine Rolle mehr, das der eine dem anderen in der Kindheit das Leben rettete, die Ideologie steht über allem. Aber Nansen lässt sich so leicht nicht bremsen, und so tritt Jepsen einen radikalen Vernichtungsfeldzug an, den er sogar nach dem Niedergang des Dritten Reiches fortführt. Die Dorfgemeinschaft erweist sich als brüchig und verlogen, aber zum Glück vermeidet Siegfried Lenz eine allzu einfache Täter-Opfer-Schematik. Seine Figuren sind Zerrissene, die vor der Übermacht eines Systems kapitulieren. Erst ihren Nachkommen gesteht Lenz die Fähigkeit zu, mit kritischem Blick auf das Vergangene in eine bessere Zukunft zu gehen.

Johan Simons gründete 1985 in den Niederlanden die freie Theatergruppe Hollandia, die bis 2005 bestand und mit Theaterprojekten an ungewöhnlichen Orten eine neue Tendenz im westeuropäischen Theater einleitete. Nach deren Auflösung wurde Simons künstlerischer Direktor des belgischen „Publiekstheater“, das er in „NTGent“ umbenannte und zu einem Zentrum neuer künstlerischer Impulse machte. Seit 2000 arbeitet er als Gastregisseur an deutschsprachigen Theatern, u.a. am Schauspielhaus Zürich, an den Münchner Kammerspielen und bei den Wiener Festwochen.  Von 2010 bis 2015 war Johan Simons Intendant der Münchner Kammerspiele, zur Zeit hat er die Leitung der Ruhrtriennale inne und ist zeitgleich wieder künstlerischer Direktor des NTGent. Ab der Spielzeit 2018/19 wird er Intendant am Schauspielhaus Bochum. Mit dem inzwischen verstorbenen Schriftsteller Siegfried Lenz hat er zur Vorbereitung seiner Inszenierung ein ausführliches Gespräch geführt. Wohl auch deshalb ist ihm ein außergewöhnlicher Abend gelungen, der als brillant und hochsensibel gefeiert wurde. Unter den Schauspielern sticht besonders Jens Harzer hervor, der bei den Festspielen Ludwigshafen 2015 in der legendären Gosch-Inszenierung Onkel Wanja zu sehen war.

Thalia Theater Hamburg

Bühnenfassung
Susanne Meister

Inszenierung
Johan Simons

Bühne
Bettina Pommer

Kostüme
Henriette Müller

Musik
Marten Schumacher

Licht
Paulus Vogt

Dramaturgie
Susanne Meister

Mit Jens Harzer (Jens Ole Jepsen), Gabriela Maria Schmeide (Gudrun Jepsen), Jörg Pohl (Siggi Jepsen), Franziska Hartmann (Hilke Jepsen), Sebastian Zimmler (Klaas Jepsen), Sebastian Rudolph (Max Ludwig Nansen), Ferdinand Reinsch (Addi)

Preise
33 € / 28 € / 23 € / 18 €

Dauer
ca. 2 Stunden (keine Pause)