THEATER IM
PFALZBAU
Pfalzbau 14 Schauspiel
Schauspiel

Vorhaut

Freitag 4. März 4.03201619:30 UhrTickets 26 € - 14 €
Samstag 5. März 5.03201619:30 UhrTickets 26 € - 14 €
Schauspiel

Vorhaut

Komödie von Necati Öziri

Erinnert sich noch jemand an die „Beschneidungsdebatte“, die vor ein paar Jahren die politischen Auseinandersetzungen beherrschte?  Damals war ein Vierjähriger nach der rituellen Beschneidung mit Nachblutungen in einem Kölner Krankenhaus behandelt worden. Die anschließende Gerichtsverhandlung ergab, dass die Beschneidung des Jungen „Körperverletzung“ und zu verbieten sei. Danach entbrandete eine heftige Diskussion um „körperliche Unversehrtheit“ und freie Ausübung der Religionen, die den islamischen und jüdischen Gemeinden am Herzen lag. Wo fangen „Persönlichkeitsrechte“ an, wo hört „Religionsfreiheit“ auf? 

Am Ballhaus in der Naunynstraße Berlin nahm man sich des Themas auf eine etwas andere und weit weniger ernsthafte Art an, dafür aber mit großem Unterhaltungspotential.  Autorin Necati Öziri erzählt in Vorhaut die Geschichte eines Silvesterabends in einem Berliner Krankenhaus. Oberschwester Jasmin (Melek Erenay) ist auf einen ruhigen Dienst bei Sekt und Knabberzeug eingerichtet, als die schwan¬gere Ela (Lodi Doumit) mit verfrühten Wehen eingeliefert wird. Im Schlepptau hat sie ihre illustre Familie Bülükoglu. Mutter Elif (Sema Poyraz) ist mit gefüllten Weinblättern zur Stelle. Bruder Abraham (Timur Isik), philosophisch belesener Bodybuilder, flirtet eifrig mit Krankenschwester Schwenzer (Katharina Koch) und Schwager Mohammed (Eray Egilmez) entdeckt vor dem Kreißsaal seine wahre sexuelle Bestimmung und träumt vom ersten Christopher-Street-Day in Ramallah. Kindsvater Christian aus Niederpierscheid im Eifelkreis Bitburg-Prüm (Michael Wenzlaff) schließlich ist wild entschlossen, die Vorhaut seines künftigen Stammhalters gegen alle blutrünstigen religiösen Bräuche und notfalls auch gegen die türkische Schwiegermutter zu verteidigen. Christian „Es reicht mir! Ich fordere hiermit die sofortige Beendigung der Unterdrückung der Mehrheitsgesellschaft in Deutschland!!“ Mohamed und Abraham (zusammen) „Alter! Was für’ne Mehrheit? Guck dich doch mal um!“

Bei der absurden und grotesk-komischen Beschneidungskomödie führte Miraz Bezar Regie. Er rollt in seinem schrillen Boulevardstück ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten und politische Korrektheit die Vorhaut-Frage volksnah auf. Es entsteht ein greller Abend voller satirischer Seitenhiebe auf religiöse Bräuche, das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Vorstellungen und familiärer Strukturen. Ein Stück über ein Fleischstück, an dessen umstrittener Länge Deutschlands Zukunft zu hängen scheint. Ein präziser Griff zwischen die Beine mit vielen Fragen: Gefüllte Weinblätter oder Butterbrot? Korantreue Christen oder jüdische Bodybuilder? Saugglocke oder Geburtszange? Knochenharte Gutmenschen und watteweiche Fundamentalisten wollen es wissen!

Ballhaus Naunynstraße Berlin

Inszenierung
Miraz Bezar

Bühne
Katharina Faltner

Kostüme
Sofia Vannini

Dramaturgie
Tuncay Kulaoğlu

Mit
Lodi Doumit, Eray Egilmez, Melek Erenay, Timur Isik, Sema Poyraz, Katharina Koch, Michael Wenzlaff

Eine Produktion von
Kultursprünge im Ballhaus Naunynstraße gemeinnützige GmbH. Erstproduktion gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und die Interkulturelle Projektförderung des Landes Berlin

Preise
26 € / 22 € / 18 € / 14 €