Kinder- und Jugendaktivitäten




Tilman Gersch übernimmt im Januar 2015 die Leitung des Theaters im Pfalzbau. Wir sprachen mit ihm darüber, wie er junge Menschen in den Pfalzbau locken will.
"Theater mit und für Kinder und Jugendliche liegt mir sehr am Herzen.
Ich sehe darin eine ganz wesentliche
Aufgabe des Theaters Ludwigshafen. Als Vater
von vier Kindern weiß ich, wie wichtig gute kulturelle
Angebote für Kinder und Jugendliche aller
Altersgruppen sind. Ich erwarte mir von unseren
vielseitigen Projektangeboten, die sich ergänzen
und befruchten werden, Lebendigkeit und regen
Austausch in unserem Haus."


Was hat das Theater Ihrer Meinung nach zu bieten, was die sogenannten »neuen Medien« bei allem Reiz vermissen lassen?
"Das Erlebnis des unmittelbar Dargebotenen. Theater in einer
Gruppe von Zuschauern zu erleben, das »gesellschaftliche Ereignis«.
Ich sehe eine Vorstellung mit Freunden und Bekannten, kann mich
darüber austauschen, lerne Gleichgesinnte kennen und erfahre
etwas, mit dem ich mich inhaltlich und ästhetisch auseinandersetzen
kann. Vielleicht bin ich an diesem Abend im Theater
weniger allein. Die emotionale Begeisterung oder Empörung
über etwas unmittelbar Dargebotenes kann ein wesentlich intensiveres
Erlebnis sein als der Abruf eines Videos auf dem Sofa.
Das emotionale »Berührtwerden« von einer Darbietung löst in
uns Anteilnahme, Freude, Mitempfinden oder Ablehnung aus.
Das Theater ist mit seiner Kunst ein Ort der Auseinandersetzung,
Bereicherung und Herzensbildung."


Welche Schwerpunkte werden Sie bei Ihrer Kinder- und Jugendtheater-Arbeit setzen? In der Vergangenheit gab es diverse Spielgruppen wie das JUST und den Jugendclub Kritisches Theater, die rege wahrgenommen wurden. Da nun in Ludwigshafen mit dem Leitungswechsel die Zeichen auf Veränderung stehen, mehren sich die Ängste, dass womöglich in Zukunft keine Spielgruppen mehr angeboten werden. Was würden Sie auf diese Ängste erwidern?
"Veränderungen rufen oft Ängste oder Befürchtungen hervor.
Von Beginn an habe ich immer das Interesse an einer kontinuierlichen
Kinder- und Jugendtheaterarbeit formuliert. Natürlich
werden wir uns an die Kinder und Jugendlichen der Stadt wenden,
die bisher die Angebote genutzt haben, genauso wie an die Kinder
und Jugendlichen, die noch nicht bei uns waren. Wir freuen uns,
wenn sie offen für etwas Neues sind. Neugier auf Veränderung
ist ebenso wichtig wie die Treue zu Bestehendem. Durch den
Intendantenwechsel innerhalb einer Spielzeit und einem Schuljahr
gibt es eine Ungleichzeitigkeit im Start der Angebote."


Das Theater im Pfalzbau hat einen großen Theatersaal mit einer Kapazität von über tausend Plätzen zu bieten, was toll ist, weil er Raum für große Pläne und Visionen bietet. Es gibt aber auch im Kinder- und Jugendtheater eine Tendenz, die dem entgegengesetzt ist. Auf Kinder- und Jugendtheaterfestivals werden mitunter ungewöhnliche Spielorte erschlossen, wo sich das Publikum zum Beispiel überraschend in einem Wohnwagen wiederfindet. Welche Möglichkeiten sehen Sie in dieser Hinsicht und werden Sie auch weiterhin Gastspielproduktionen nach Ludwigshafen einladen?
"Ganz sicher werden wir das tun. Wir werden Angebote im
Großen Haus, aber auch kleinere auf der Probebühne oder auf
dem wieder zu etablierenden Theater auf der Hinterbühne bereithalten.
Z.B. freue ich mich sehr, wenn es gelingt, das Stück Troost
einer flämisch-marokkanischen Theatergruppe aus Antwerpen im
Großen Haus zu zeigen. Ihr Stück vereint auf eine faszinierende
Weise Beziehungs- und Drogenprobleme junger Migranten in
Belgien mit HipHop. Ein wirklich »cooler« Abend."


Auf Grund der Gastspielstruktur des Theaters im Pfalzbau kann es von Vorteil sein, Formen der Zusammenarbeit zu suchen. Könnten Sie sich Partnerschaften mit anderen Institutionen der Stadt oder Kooperationen mit anderen Theatern in der Region oder darüber hinaus vorstellen?
"An Kooperationen und Partnerschaften mit anderen Kinderund
Jugendtheatern in Ludwigshafen und der Pfalz bin ich grundsätzlich
interessiert. Aber natürlich steht die Etablierung der hauseigenen
Theaterangebote für mich im Vordergrund.
Dennoch glaube ich, dass es z.B. gut und wichtig ist, die verlässliche
Arbeit mit dem Kinder- und Jugendtheater Speyer fortzusetzen
oder dem AdRem-Theater aus Ludwigshafen bei uns eine Auftrittsmöglichkeit
zu bieten."