 THEATERSAAL
 MI, 12.5.2010, 19.30 Uhr
 Zaide
 Konzertante Aufführung der Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
Mit Lesung von Feridun Zaimoglu und orientalisch-klassischen Gesängen und Texten von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel
Musikalische Leitung: Wilhelm Keitel
Regie: Stefan Bastians
Musikalische Einstudierung: Fausto Nardi
Musikalische Einstudierung der osmanisch-klassischen Gesänge: Dr. Vladimir Ivanoff und Dilek Gecer
Osmanisch-klassische Musik: Deniz Köseoglu
Ensemble: Feridun Zaimoglu, Annika Gerhards, Florian Feth, Sebastian Kohlhepp, Yang Li, Björn Bürger, Cai Xiao Feng, Felix Groß, Maurice Lenhard
Einheitspreis: 12 Euro, erm. 10 Euro
Zum Auftakt der konzertanten Aufführung Zaide liest Feridun Zaimoglu, deutsch-türkischer Autor, der den Text der Mozart-Oper zusammen mit Günter Senkel neu schrieb, aus seinem neuesten Werk. Der bereits durch sein erstes Buch Kanak Sprak bekannt gewordene Schriftsteller Zaimoglu verfasste unter anderem in den letzten Jahren die Romane Leyla und Liebesbrand und war mit seinem Stück Schwarze Jungfrauen auch schon in Ludwigshafen zu sehen.
Zaide ist ein bis vor kurzem kaum beachteter Vorläufer des zwei Jahre später uraufgeführten erfolgreichen deutschen Singspiels Die Entführung aus dem Serail. Auch hier geht es um eine – gescheiterte – Flucht aus einem Sultanspalast, doch Zaide erscheint wie die tragische Version der glücklich endenden Entführung aus dem Serail. Das Ende des ernsten Singspiels bleibt ungewiss, weil Mozart die Arbeit an dem Werk kurz vor der Fertigstellung abbrach. Was uns heute vorliegt, ist ein Fragment: es fehlen die Ouvertüre, die gesprochenen Dialoge und der Schluss.
Warum der 23jährige Mozart das Werk Zaide nie »ganz fertig« komponierte, entzieht sich unserer Kenntnis. Er muss jedenfalls mit großer Begeisterung ans Werk gegangen sein. Dazu äußert sich der Regisseur Peter Sellars: »Die Musik vibriert geradezu von seiner glühenden Überzeugung der Notwendigkeit sozialen Wandels, von avantgardistischer Erneuerung der Formen und einer tief anrührenden Zärtlichkeit.« Damals wie heute waren eher unterhaltende Themen gefragt. Tatsache ist aber, dass Mozart nach seiner Umsiedlung nach Wien einen ähnlichen Stoff aufgriff und ihn als Die Entführung aus dem Serail fertig komponierte. So bleibt uns heute Zaide, das Serail als unvollendetes Werk und damit die Chance einer Neuauflage.
Wie in der »Entführung«, so ist auch in Zaide der Blickwinkel der vom Abendland auf das Morgenland. Dieser Blick bleibt aber an der Mauer des Serails hängen, hinter diese Mauer dringt er nicht – und an dieser Stelle beginnt unser Neuansatz. Der türkische Kultautor Feridun Zaimoglu hat für Zaide einen neuen Text geschrieben, der die Sichtweisen der Vorlage ändert: In der nahen Zukunft ist Deutschland ein Sultanat, was einst oben war befindet sich nun unten, die Blickwinkel sind vertauscht. Der Ruf nach Freiheit steht zur Disposition. Eine türkisch-deutsche Produktion, die keine Grenzen kennt und Sehgewohnheiten ändert.
Mit freundlicher Unterstützung der Gesellschaft der Freunde und Förderer der HfMDK

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|  Zaide ist eine Koproduktion mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main und der NEF GmbH (New European Festival)
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