Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried


STUDIO

So, 5.12.2010, 15.00 Uhr


Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried

Film von Hans Jürgen Syberberg
Preis 6 Euro

Winifred war die Schwiegertochter Richard Wagners. Nach dem Tode ihres Ehemannes Siegfried Wagner leitete sie die Bayreuther Festspiele bis 1944.
Im Alter von 18 Jahren heiratete sie 1915 den 1869 geborenen Siegfried Wagner. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor: Wieland, Friedelind, Wolfgang und Verena. Winifred Wagner war eine enge persönliche Freundin von Adolf Hitler, den sie 1923 kurz nach dem Deutschen Tag in Bayreuth kennen gelernt hatte und in die Familie einführte. Seit 1925 duzte sie sich mit ihm, im Januar 1926 trat sie der NSDAP bei. Goebbels urteilte am 8. Mai 1926 in seinem Tagebuch über Winifred Wagner: »Ein rassiges Weib. So sollten sie alle sein. Und fanatisch auf unserer Seite.«
Nach Siegfried Wagners Tod am 4. August 1930 übernahm Winifred als seine Witwe die Leitung der Bayreuther Festspiele, die sie während der folgenden Jahre zu einer zentralen NS-Kultstätte machte. Als künstlerischer Leiter fungierte der Intendant der Berliner Staatsoper, Heinz Tietjen. Seit 1933 war Hitler Dauergast der Festspiele. Noch am 16. Oktober 1944, als bereits die Niederlage absehbar war, leistete Winifred Wagner ein öffentliches Treuebekenntnis zu Hitler, in dem sie schrieb: »… er ist ins Heldische emporgewachsen, ist unser Führer durch Nacht zum Licht.«
Nach Kriegsende musste Winifred Wagner die Leitung der Festspiele an ihre Söhne Wieland und Wolfgang abgeben und zog sich weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurück.
1975 gab sie dem Filmemacher Hans-Jürgen Syberberg ein Filminterview, das unter dem Titel Winifred Wagner und die Geschichte des Hauses Wahnfried 1914–1975 als fünfstündiger Dokumentarfilm erschien. Darin zeigte sie sich als ungebrochene Freundin Hitlers und bekannte sich offen zu ihm: »Also, wenn heute Hitler hier zum Beispiel zur Tür hereinkäme, ich wäre genauso so fröhlich und so glücklich, ihn hier zu sehen und zu haben, als wie immer …«
Nachdem diese und weitere Äußerungen bekannt geworden waren, verbot ihr Festspielleiter Wolfgang Wagner erneut, die Festspiele und das Festspielhaus zu besuchen.
Winifred Wagner starb am 5. März 1980 im Krankenhaus von Überlingen.