Heyme liest Thomas Manns Meisterwerk »Wälsungenblut«


STUDIO

So, 4.12.2011, 19.30 Uhr
Einheitspreis: 7 Euro


Heyme liest Thomas Manns Meisterwerk »Wälsungenblut«

Da aber warf Siegmund seine beiden rosigen, fleischigen Arme um sie, drückte ihre Wange gegen das Fell auf seiner Brust und sang über ihren Kopf hinaus mit entfesselter und silbern schmetternder Stimme seinen Jubel in alle Lüfte. Seine Brust war heiß von dem Schwur, der ihn mit ihr, der holden Genossin, verband. Alle Sehnsucht seines verrufenen Lebens war gestillt in ihr, und alles, was sich ihm kränkend versagt, wenn er sich zu Männern und Frauen gedrängt, wenn er mit jener Frechheit, welche Scheu und das Bewusstsein seines Brandmals war, um Freundschaft und Liebe geworben hatte, – es war gefunden in ihr. In Schmach lag sie wie er im Leide, entehrt war sie wie er in Acht und Rache – Rache sollte nun  ihre geschwisterliche Liebe sein!« Thomas Mann
Diese kleine Passage aus Thomas Manns früher und skandalumwobener Erzählung Wälsungenblut soll Appetit machen auf die Lesung Hansgünther Heymes, der damit auch seine Walküre-Inszenierung nachbereitet. Denn neben der meisterlichen Sprache und feinen Ironie der Personenschilderungen fasziniert an dieser Novelle das kunstvolle Verwobensein der Handlungen von Oper und Erzählung. Thomas Mann, ein Leben lang den Kompositionen Richard Wagners eng verbunden, ließ sich vom Inzest-Geschehen zwischen Siegmund und Sieglinde zu seiner Geschichte inspirieren.



Hansgünther Heyme