Der Biberpelz


THEATERSAAL

Di, 19.30 Uhr [S, TG 4, JA]


Der Biberpelz

von Gerhart Hauptmann
Regie und Bühne: Herbert Fritsch
Kostüme: Bettina Lauer
mit: Jakob Kraze, Klaus Bieligk, Marcel Rodriguez, Rüdiger Daas,
Lucie Teisingerova, Brigitte Peters, Stéphane Maeder, Sonja Isemer,
Isa Weiß, Andreas Lembcke, Johann Zürner, Özgür Platte
Mecklenburgisches Staatstheater Schwerin
Preise: 33 Euro, 28 Euro, 23 Euro, 18 Euro
Eingeladen zum Theatertreffen 2011 der Berliner Festspiele

Am Rande von Berlin hat Mutter Wolffen sich mit ihrem Mann und den zwei erwachsenen Töchtern ein Häuschen gekauft. Auf Kredit natürlich. Ob Wilderei, Holz- oder Pelzdiebstahl – um die Hypothek so schnell wie möglich abzuzahlen, ist ihr jedes Mittel recht. Mutter Wolffens kleinkriminelle Aktivitäten sind jedoch für die zuständigen staatlichen Stellen von geringem Interesse. Baron von Wehrhahn muss sich mit ganz anderen Dingen rumschlagen. »Dunkle Existenzen« und »feindliche Elemente« treiben ihr Unwesen. Zum Beispiel der Privatgelehrte Dr. Fleischer, der sich verdächtig macht, indem er zwanzig Zeitungen liest und ominöse Treffen in seiner Wohnung abhält. So einer, weiß Wehrhahn, stellt eine öffentliche Gefahr dar, denn »wenn’s drauf ankommt, sprengen die Hunde janze jrosse Ortschaften in die Luft«.
Gerhart Hauptmanns 1893 in Berlin uraufgeführter Biberpelz gilt als eine der beliebtesten deutschen Komödien. Die auf realen Vorbildern aus der Entstehungszeit beruhenden Theaterfiguren sind zeitlose Originale. Vorbild für den verdächtigen Gelehrten war er selbst, da der spätere Nobelpreisträger zu der Zeit wegen »sozialdemokratischer Neigungen« bespitzelt wurde. Hauptmann spannt den gesellschaftskritischen Bogen zwischen Kleinkriminalität und Politik, zwischen Holzdiebstahl und instrumentalisierter Terrorangst. Damit ist er historisch korrekt und zugleich erschreckend aktuell.

»Schrill, bunt, aggressiv – so lebhaft und leidenschaftlich hat Theater auf jeden Fall eine Zukunft. Gerhart Hauptmann hätte es sicher überrascht, dass ein ganzes Ensemble mit einem zackig im Chor gebrüllten ›Jawoll, Herr Hauptmann!‹ sein Stück eröffnet oder innig mitfühlend seine Regieanweisungen vorträgt. Hier scheint’s, als seien die Figuren aus Georg Grosz’ schärfsten Karikaturen zum Leben erwacht.«
Ostsee-Zeitung, Dietrich Pätzold, 5.6.2010



Foto: Silke Winkler