Festival stellt sich gesellschaftlicher Diskussion/internationale Presse wie New York Times berichtet über Festspiele Ludwigshafen
Mit zwei begeistert aufgenommenen Vorstellungen von Sternenjäger – Les chasseurs d’étoiles des Zirkus La Laterne Magique gingen die V. Festspiele Ludwigshafen am vergangenen Wochenende zu Ende. Zum fünften Jubiläum hatte die erste Festspielsaison im renovierten Pfalzbau einen starken Auftritt, der sowohl bei den Zuschauern und Medien in der Metropolregion als auch weit darüber hinaus für Beachtung sorgte. So berichteten u.a. internationale Medien wie die New York Times, die International Herald Tribune und die österreichische Tageszeitung Der Standard über das diesjährige Festivalprogramm.
„Nach der Rückkehr der V. Festspiele Ludwigshafen in das wiedereröffnete Theater im Pfalzbau können wir auf eine Reihe herausragender Veranstaltungen aus den Bereichen Schauspiel, Musik- und Tanztheater zurückblicken. Außergewöhnliche Aufführungen wie ,BurkaBondage’ von Helena Waldmann oder die ,Woyzeck-Opera’ bleiben sicher lange in Erinnerung.“ zog Frau Prof. Cornelia Reifenberg, Kulturdezernentin der Stadt Ludwigshafen, erfreut Bilanz. „Wir haben es geschafft, durch verschiedene Aktionen nicht nur ein breites Publikum anzusprechen, sondern auch ganz unterschiedliche Besuchergruppen ins Theater im Pfalzbau zu locken. Gastspiele vom Hamburger Schauspielhaus, dem Berliner Gorki-Theater, dem Kroatischen Nationaltheater in Zagreb sowie Tanz aus Israel, London und Frankreich, um nur einige zu nennen, bedeuten eine Bereicherung des kulturellen Lebens in unserer Stadt.“
Bandbreite zeitgenössischen Theaters
Intendant Hansgünther Heyme zieht eine erfreuliche Bilanz nach fünf Jahren Festspielen Ludwigshafen: „Endlich sind wir wieder im Pfalzbau und ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, fast alle Abonnenten über die Umbauphase weiter an das Theater zu binden, aber auch neue Zuschauer zu gewinnen. Die Vielseitigkeit des diesjährigen Programms ist ein Beispiel für die Wichtigkeit der Theaterarbeit in Ludwigshafen: von vollen ,Woyzeck’-Vorstellungen, die vor allem sehr viele Schüler und Jugendliche anlockten, bis zu den beiden Gastspielen aus Zagreb boten die V. Festspiele Ludwigshafen einen Blick auf die Bandbreite zeitgenössischen Theaters. Die Produktionen, angefangen bei Volker Löschs ,Marat’ über Bräunigs ,Rummelplatz’ bis zu den Werken Büchners, die einen Schwerpunkt des Programms bildeten: all diese Stücke diskutieren die zentralen Fragen zu den Umbrüchen der Gesellschaft, Brandthemen, die uns alle bewegen – und denen sich das Theater stellen muss. Ich will mit diesem manchmal auch unbequemen, aber wichtigen Programm für diese Stadt meinen Beitrag dazu leisten.“
„Gesellschaftliche Umbrüche, Revolutionen, äußere und innere Zwänge, denen Einzelne gegenüberstehen, und die unsterbliche Sehnsucht nach Freiheit: Das sind die Themen, die die Welt bewegen. Und es sind Georg Büchners Themen. Ein sympathischer, für den engagierten Theaterintendanten Hansgünther Heyme charakteristischer Schachzug, diese Themen in den Mittelpunkt der Festspiele Ludwigshafen zu stellen“ befand die Rhein Neckar Zeitung über das diesjährige Programm (22.10.2009). Die V. Festspiele Ludwigshafen zeigten mit 32 Produktionen ein breit gefächertes Veranstaltungsangebot, das neben Sprechtheater und Tanztheater auch Oper beinhaltete, darunter neun internationale Gastspiele: „Berlin, Zagreb oder Tokio – die Festspiele im Pfalzbau versprechen ein internationales und hochkarätiges Programm“ (MEIER Stadtmagazin, November 2009). Neben den Produktionen im frisch renovierten Pfalzbau präsentierte das Theater im Pfalzbau im Corso Film Theater kleinere Gastspiele sowie ergänzend zum Programm verschiedene Filme, Lesungen und Vorträge.
Schwerpunkt Georg Büchner
Im Zentrum der V. Festspiele Ludwigshafen stand das Werk Georg Büchners, das Hansgünther Heyme in unterschiedlichen Sichtweisen in Ludwigshafen präsentierte. Motive wie die Verlorenheit des Einzelnen angesichts gesellschaftlicher Zwänge sowie politische und persönliche Umbruchsituationen, die in Büchners Stücken eine große Rolle spielen, durchzogen wie ein Leitfaden die verschiedenen Produktionen. So zeigte der Choreograph Josef Nadj seine Interpretation von Büchners Woyzeck als eindringliches Tanzstück (Josef Nadjs „Version des ,Woyzeck’ ist gleichermaßen verstörend düster und homogen transzendierend.“ Die Rheinpfalz, 11.12.1009), der eine Inszenierung des Waits/Wilson-Woyzeck aus Oberhausen gegenüberstand. Zwei völlig unterschiedliche Perspektiven auf Leonce und Lena lieferten Jan Bosse und das Ensemble des Maxim Gorki Theaters Berlin sowie die außergewöhnliche Inszenierung des Theaters Lindenhof Melchingen, das Büchners Stück mit behinderten und nichtbehinderten Darstellern auf die Bühne brachte. „,Einmal jemand anders sein’, ist der Wunsch des von sich selbst geplagten Leonce. Es ist die herausragende Leistung des integrativen Schauspielprojekts, Menschen genau das zu ermöglichen.“ (Mannheimer Morgen, 31.10.2009). Ergänzt wurde das Programm durch verschiedene Vorträge und Lesungen, u.a. von Gudrun Landgrebe, Brigitte Horn und Hansgünther Heyme.
Auf der ständigen Suche nach der politischen Relevanz des Theaters begab sich Hansgünther Heyme in diesem Jahr für seine Inszenierung von Dantons Tod auf den Weg nach Zagreb an das Kroatische Nationaltheater, um dort in einer Koproduktion mit den Festspielen Ludwigshafen den Fragen der Sinnhaftigkeit von Revolution nachzugehen. Im Rahmen des Büchner-Schwerpunktes feierte diese Inszenierung, die „durch den verfremdeten Blick zum Ereignis“ (Deutschlandfunk, 02.12.2009) wurde, in Ludwigshafen Deutschlandpremiere: „Eine finstere, schwarze Totenmesse ist es, die Hansgünther Heyme im Zagreber Nationaltheater präsentiert. Ein streng stilisiertes Lehrstück über die existentielle Leere im Inneren der revolutionären Gewaltspirale“ beschreibt die Süddeutsche Zeitung Heymes Regiearbeit (24.11.2009).
Theater im Pfalzbau stellt sich gesellschaftlicher Diskussion
Im Rahmen der Ludwigshafen-Gastspiele von Volker Löschs skandalträchtiger Inszenierung Marat, was ist aus unserer Revolution geworden? vom Hamburger Schauspielhaus lud Intendant Hansgünther Heyme Arbeitslose aus Ludwigshafen und der Region kostenfrei ins Theater ein: „Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, viele Menschen ins Theater einzuladen, für die ein solcher Abend sonst Luxus ist. Zahlreiche Menschen sind unserer Einladung gefolgt und haben sich vom Hamburger Schauspielhaus begeistern lassen. Nach der Vorstellung haben wir eine engagierte, kontroverse Diskussion geführt, die wir hier in dieser Stadt führen müssen und wollen.“ Die Rhein Main Presse urteilte nach dem abschließenden Publikumsgespräch über die Aktion: „Was also bleibt? Vielleicht nicht mehr, aber auch nicht weniger als die Einsicht, dass man die Ohnmacht gegenüber bestehender Ungerechtigkeit nicht einfach hinnehmen sollte, sondern Missstände laut benennen muss – selbst dann wenn keine Lösung der Probleme greifbar scheint.“ (Rhein Main Presse, 30.10.2009)
Internationale Tanzkompanien in Ludwigshafen
Das Theater im Pfalzbau Ludwigshafen genießt seit vielen Jahren einen ausgezeichneten Ruf im Bereich des Tanztheaters. Auch die V. Festspiele Ludwigshafen präsentieren mit Unterstützung der BASF SE führende Tanzkompanien und Choreographen aus der ganzen Welt. Erfolgreich startete die diesjährige Festspielsaison mit der Uraufführung des „Dancicals“ Love Hurts... Petrushka und den beeindruckenden Gastspielen von Helena Waldmanns neuester Choreographie BurkaBondage. Zu den weiteren Höhepunkten des Tanzprogramms zählten Akram Khans Choreographie Bahok sowie Ohad Naharins Choreographie Mamootot der Batsheva Dance Company Israel. Die New York Times urteilte über das Ludwigshafen-Gastspiel von Artifact des Royal Ballet of Flanders, das im Rahmen des seit 1968 von der Stadt Ludwigshafen und der BASF SE gemeinsam veranstalteten Ballettrings zu sehen war: „Diese Weigerung mit reiner Schönheit zufrieden zu sein, der Zwang, uns den Tanz fortwährend umdeuten zu lassen, unsere Wahrnehmung und Erinnerung in Frage zu stellen, ist Teil des Themas von ,Artifact’: Was ist Ballet heute? Herr Forsythe – und die Kompanie aus Flandern – haben uns soeben die Antwort gegeben.“ (New York Times, 23.11.2009)
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|  "Woyzeck-Opera" (Theater Oberhausen)
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|  "Marat" (Hamburger Schauspielhaus)
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|  "Leonce und Lena" (Maxim Gorki Theater Berlin)
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|  "Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss" (Nationaltheater Zagreb)
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|  "Love Hurts - Petrushka" (Dance Works Chicago)
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|  "Bahok" (Akram Khan Company London)
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|  "Artifact" (Royal Ballet of Flanders)
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