THEATER IM
PFALZBAU
Pfalzbau 24 Offene Welt

OFFENE WELT

Die Festtage OFFENE WELT sind in diesem Jahr der Auftakt zu den Festspielen Ludwigshafen 2016. In den nun folgenden Wochen ist mit Gastspielen u.a. aus Israel, Cuba, Korea oder Belgien die internationale Kunst in den Pfalzbau Bühnen zu Hause. In der OFFENEN WELT aber kehren wir vor der eigenen Haustür. Mit vier verschiedenen partizipativen Projekten fragen wir die Menschen unserer Stadt und der Region, wie sie sich das Zusammenleben in der Zukunft wünschen. Schüler aus Ludwigshafen sitzen mit geflüchteten Jugendlichen in einem Boot, Bewohner einer Asylunterkunft präsentieren sich als Experten des Alltags, in einem Jugendcamp wird die Willkommenskultur erforscht, die Musik überschreitet Grenzen und das WELTFest lädt alle an einen Tisch. Den künstlerischen Rahmen bilden zwei hochklassige Theatergastspiele und ein Konzert, das garantiert alle vom Hocker reist. OFFENE WELT ist das Statement einer Stadt, in der zur Zeit 1900 Flüchtlinge eine reibungslose Aufnahme gefunden haben und in der das interkulturelle Zusammenleben Alltag ist. Wir danken dem Land Rheinland-Pfalz, der BASF SE, der Stiftung ehemalige Sparkassen, der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur, den Pfalzbau Freunden und allen weiteren Förderern für die großzügige Unterstützung.

www.basf.de/kultur

Friedensstraße

Die Gruppe MAHALA INTERNATIONAL wurde anlässlich des Festivals OFFENE WELT 2015 gegründet. Mit jugendlichen Geflüchteten und jungen Menschen aus Ludwigshafen erarbeitete die Regisseurin und Autorin Luise Rist ein Stück Theater, das nicht viele Worte brauchte. Blicke, Gesten und Begegnungen waren ein beredtes Zeugnis all der schönen und auch traurigen Geschichten, die die jungen Darsteller als Teil ihrer Persönlichkeit mit auf die Bühne brachten. MAHALA INTERNATIONAL hat sich seither regelmäßig getroffen, wenn auch in oft variierender Besetzung, um gemeinsam das Stück Friedensstraße zu entwickeln. ‚Friedensstraße‘ heißt eine Haltestelle in Rheingönheim, von der aus man zu einer Unterkunft gelangt, in der viele Menschen in der Hoffnung auf Bleiberecht seit vielen Monaten ausharren. Unsere Friedensstraße ist ein Theaterstück über Möglichkeiten, die in der Begegnung entstehen. Zusammen mit den Zuschauern fahren wir auf See, besuchen entlegene afghanische Provinzen, Kriegsschauplätze in Syrien, aber wir erleben auch den Spaß der Jugendlichen, den sie am Kennenlernen haben, die absurde Komik bei gegenseitigen Übersetzungsversuchen.

Friedensstraße hatte am 30. Juni 2016 Premiere, wird in einer mobilen Version in drei Flüchtlingsunterkünften in Ludwigshafen gezeigt und nochmals bei der OFFENEN WELT 2016 aufgeführt.

Luise Rist leitet die Gruppe MAHALA INTERNATIONAL gemeinsam mit dem Musiker Hans Kaul, der Bühnenbildnerin und Videokünstlerin Sonja Elena Schroeder und dem Theaterpädagogen Martin Jurk. Sie sind Teil des Freien Theaters boat people projekt in Göttingen. das für die erfolgreiche Arbeit mit jugendlichen Migranten bereits mehrfach ausgezeichnet wurde.

Veranstaltungstermine finden Sie hier.

Willkommen (s) Kultur

Willkommen (s) Kultur
Theater-Recherche zur Eröffnung einer Jungen Offenen Welt 2016
Leitung
Barbara Kantel, Jürgen Salzmann
SA, 15.10.2016


„Hey, Leute, das ist jetzt einfach `ne neue Phase, das ist nichts Schlimmes!“ Dieser Satz stammt von einer 17jährigen Schülerin, die sich unlängst auf einer Veranstaltung zur Offenen Gesellschaft im Deutschen Theater in Berlin über die „Panik der Älteren wegen der Flüchtlinge“ wunderte. Und die Shell-Jugendstudie vom vergangenen Jahr konstatierte, dass sich die 15- bis 24-Jährigen der Zuwanderung gegenüber noch nie so aufgeschlossen gezeigt haben wie heute.
In der Jungen Offenen Welt kommen diejenigen zusammen, die die Zukunft unserer Gesellschaft bilden. Ein Wochenende und eine Ferienwoche lang werden insgesamt 20 - 25 junge Menschen aus unterschiedlichen Kontexten in Ludwigshafen das Theater besetzen und in von ihnen selbst kuratierten und gestalteten Workshops - unterstützt von Expert*innen aus Wissenschaft, Politik, Kunst und Kultur - das Phänomen ‚Willkommenskultur‘ erforschen. Das gemeinsame Mittagessen, das die Beteiligten jeweils füreinander kochen und zu dem sie Gäste aus Geflüchteten-Selbstorganisationen, Wissenschaft, Politik, Kunst und Förderlandschaft einladen, wird dabei als kulturelle Praxis eine zentrale Rolle spielen. Die übrige Zeit gilt unter der Überschrift „Wie wollen wir gemeinsam leben?“ der Recherche und Entwicklung neuer identitätsstiftender Narrative. Die künstlerischen Ergebnisse der Recherche werden am Ende des Projekts gemeinsam präsentiert. In welcher Form – ob Spielshow, Koch- Event, Intervention im öffentlichen Raum oder Open-Stage – ist noch offen. Denn das entscheiden die Jugendlichen erst in ihrer jungen offenen Welt.
Als freie Dramaturgin, Dozentin und Projektleiterin arbeitet Barbara Kantel seit 2014 u.a. für das tanzhaus nrw, die Bundeskulturstiftung und die Theaterakademie Hamburg. Ihr Arbeitsschwerpunkt liegt auf partizipatorischen, interkulturellen und intergenerativen Theaterprojekten. Seit Januar 2016 ist sie am Staatsschauspiel Dresden Projektleiterin für das „Montagscafe“, einem interkulturellen Begegnungs- und Diskursort für Geflüchtete und Einheimische.
Auch das Montagscafe ist für den "Sonderpreis der Bundeskulturministerin für Projekte mit geflüchteten Menschen" nominiert. Barbara Kantel war außerdem Leiterin der Jugendtheatersparte am Schauspiel Hannover, Co-Leiterin des jungen dt am Deutschen Theater Berlin und Künstlerische Leiterin des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf.

Hemsbach Protocol

von MAMMALIAN DIVING REFLEX

Eine Projektpräsentation des wandernden Kunst- und Kulturprojekts Matchbox

SO, 16.10.2016

Das Rhein-Neckar-Gebiet ist seit jeher ein Ort der vielfältigen kulturellen Einflüsse, der Menschen, die herziehen, die wegziehen, die ein Leben suchen. Zu Zeiten ein Ort der Gastfreundschaft und zu anderen Zeiten ein Ort der Ressentiments. Für das zweijährige Projekt Hemsbach Protocol zog Darren O’Donnell, Gründer und künstlerischer Leiter des kanadischen Künstlerkollektivs Mammalian Diving Reflex, zunächst mehrere Wochen in ein Flüchtlingswohnheim im baden-württembergischen Hemsbach, um schließlich seinen Lebensmittelpunkt für ein Jahr bis Ende 2016 in den kleinen Ort an der Bergstraße zu verlegen. Gemeinsam mit Geflüchteten und Einheimischen entwickelt er dort innovative Ansätze von Integration, um auszutesten was (nicht) funktioniert und Einsichten zu gewinnen, die auch andernorts von allgemeinem Nutzen sein können. O’Donnells Kunst setzt stets an den Sollbruchstellen der Gesellschaft an, die er offen legt und mit vermeintlich bescheiden daherkommenden Projekten langfristig zu verändern sucht. Hemsbach Protocol zeigt die Ergebnisse dieser Recherche im Rahmen einer Performance, bei der Ästhetik und Soziales in ungewohnter Form zusammenkommen.
Mammalian Diving Reflex arbeitet an der Schnittstelle von darstellender und sozialer Kunst. Grundlage der künstlerischen Forschung des international renommierten Kollektivs sind dabei spezifische und häufig langfristig angelegte Interventionen, ähnlich den Methoden sozialwissenschaftlicher Experimente, die durch ein hohes persönliches Engagement der Künstler geprägt sind. Die Arbeiten von Mammalian Diving Reflex wurden mehrfach ausgezeichnet und weltweit gezeigt, u. a. bei Kunstenfestivaldesart (Brussel), PuSh Festival (Vancouver), Performa (New York), TBA Festival (Portland) sowie zuletzt am Sydney Opera House und bei der Ruhrtriennale.

WELTFest

Konzert/Küche/Kulturen

SO, 16.10.2016
ab 11 Uhr im Gläsernen Foyer

 Einer der Höhepunkte des Festivals OFFENE WELT 2015 war das sonntägliche Volksfest. Mehr als 600 Menschen kamen im Foyer der Pfalzbau Bühnen zusammen, um das Essen und die Kultur der Nationen zu würdigen, die in Ludwigshafen eine Heimat gefunden haben. Viele Stunden lang wurde im Teppichfoyer gespeist  und im Gläsernen Foyer getanzt, getrommelt, gesungen. Osmanische Bläser, thailändische Tänzerinnen, Schüler der städtischen Musikschule und viele mehr boten ein Programm, das die Vielfalt Ludwigshafens fassbar machte. Das WELTFest 2016 lädt wieder alle Ludwigshafener ein, kostenlos in die Töpfe der Anderen zu schauen, ihre Traditionen kennenzulernen und ihre Kunst zu genießen.
Den Auftakt macht diesmal ein Konzert unter der Leitung von Volker Staub – ein grenzüberschreitendes Klang-Event, das durch die verbindende Kraft der Musik eine temporäre Gemeinschaft jenseits von Sprache und musikalischer Vorbildung schafft. Der international bekannte zeitgenössische Komponist Volker Staub ist Gründer des One-Earth-Orchestra, ein multikulturell besetztes Ensemble, das seit 2012 große interkulturelle Musikprojekte in verschiedenen Kontinenten initiierte und realisierte, um die musikalische Vielfalt in einer von der Globalisierung zunehmend geprägten Welt zu stärken und zu erhalten. Beim Festival OFFENE WELT 2015 ist er durch sein Werk Ludwigshafen Sound Surround in Erscheinung getreten, das Alltagsgeräusche der Stadt mit einem gemeinsamen Liveauftritt von Musikern aus Afrika, der Türkei und Korea zu einem besonderen Hörerlebnis verbunden hat. Für das One-Earth-Konzert wird er sich mit seinem Orchester  wieder auf eine Reise durch Ludwigshafen begeben. Aus dem Zusammenspiel mit hiesigen Musikern und Musikerinnen entsteht etwas Neues, ein Klangmix der Kulturen, auf der Höhe der Zeit. Beim WELTFest kommen alle zusammen, um vorzutragen, was aus den Begegnungen entstanden ist – und um in einem großen gemeinsamen Akt auch die Zuschauer mit ihren Stimmen, Händen und Füßen Teil der Kompositionen werden zu lassen, die so nur einmal, nur an diesem Vormittag, zu hören sein werden.

Und wenn dann alle in Hochstimmung sind, öffnet sich der Vorhang für die Vereine, Initiativen, Gruppen, Musikschüler und Einzelpersonen, die uns die Vielfalt ihrer künstlerischen Aktivitäten präsentieren. Ganz besonders mochten wir die willkommen heißen, die als Geflüchtete vorübergehend in Ludwigshafen Aufnahme gefunden haben – und diejenigen, die als ehrenamtliche Helfer dafür sorgen, dass sich Ludwigshafen als ein freundlicher Ort des Ankommens erweist. Einige von ihnen werden wir an diesem Sonntag mit einem neuen Preis, dem Goldenen Anker, auszeichnen.

Schnee

Von Orhan Pamuk

Für eine Reportage über Selbstmorde kopftuchtragender junger Frauen reist der Dichter Ka nach zwölf Jahren im deutschen Exil zurück ins ostanatolische Kars. Drei Tage lang schneit es ununterbrochen in der Stadt, die von der Außenwelt abgeschnitten ist. Es stehen Kommunalwahlen an, bei denen sich ein Sieg des islamistischen Kandidaten abzeichnet. Auf einer Theaterbühne entzündet sich während der Aufführung eines volkspädagogischen Melodrams aus der Ataturk-Ära, in dem das Ablegen der Schleier propagiert wird, ein Streit. Darf eine Frau gezwungen werden, das Kopftuch abzulegen? Was wiegt schwerer: die Staatsräson eines säkularen Staates oder die persönliche Freiheit eines religiösen Glaubens? Das Geschehen eskaliert, als Angehörige eines obskuren Sonderkommandos die Bühne sturmen und unter der Führung des Staatsschauspielers Sunay Zaim vorgeben, den Staat vor den Islamisten retten zu müssen. Der Dichter Ka unternimmt den Versuch, die politische Verschwörung aufzuklaren, verheddert sich aber als Vermittler im Kampf zwischen türkischen und kurdischen Nationalisten, der Armee und islamistischen Fundamentalisten.
Regisseur Ersan Mondtag erkennt in Orhan Pamuks Schnee seine hohe Brisanz und Aktualität. In seinem Roman, der vor dem 11. September 2001 entstand, gestaltete Pamuk die kleine Stadt Kars als Mikrokosmos der Türkei. Nach den Attentaten auf das World Trade Center begann er zu verstehen, dass die Probleme der Türkei die Probleme der Welt wurden.

„‘Schnee’, wie er brisanter nicht sein konnte. (...) Ersan Mondtag setzt klug nur wenige Stellen aus dem Roman um, arbeitet stattdessen mit Choreographien, die bei aller Schönheit auch das Zwanghafte sichtbar machen.“ Hamburger Abendblatt

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Mark Ernestus‘ Ndagga Rhythm Force

Konzert

Alles begann damit, dass Mark Ernestus in den Senegal und nach Gambia reiste, weil er die Rhythmen von Sabar und Mbalax kennenlernen wollte. Dort lud er mit Unterstützung vor Ort über 20 Percussionisten und andere Musiker zu einer spontanen Aufnahme-Session nach Dakar ein, zusammen mit Sabar Drummern des Jeri-Jeri-Clans, die die Grundrhythmen spielten. Dieser offene Pool aus Künstlern, darunter einige wahre Größen des Senegal, wuchs im Laufe erneuter Besuche Mark Ernestus‘ weiter an. Bei seiner Rückkehr nach Berlin mixte und arrangierte er das mitgebrachte musikalische Material und brachte 2012 mit 800% Ndagga und Ndagga Versions unter dem Label „Mark Ernestus presents Jeri-Jeri“ ein Doppelalbum heraus. Seitdem hat sich das Projekt weiterentwickelt.
Ausgehend von dem ersten Pool aus Künstlern, die von Anfang an mitgewirkt hatten, wählte Mark Ernestus eine Kerngruppe aus, mit der er intensiver zusammenarbeitete, durch Europa tourte und neue Stücke aufnahm. Diese Musiker entladen live eine umwerfende Energie und sind in Clubs und angesagten Festivals in ganz Europa aufgetreten wie Germany’s Melt!, Roskilde, OFF in Kattowitz oder dem Festival Ile de France in Paris.
Zu der Sängerin Mbene Diatta Seck, Talking Drum Master Modou Mbaye und dem Tänzer Fatou Wore Mboup mit ihrer ungeheuren Bühnenpräsenz gesellen sich legendäre erfahrene Musiker wie Sabar Drummer Bada Seck und Gitarrist Assane „Ndoye“ Cisse sowie junge Szene-Künstler aus Dakar.

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The Blind Poet

Tanztheater von Jan Lauwers

Jan Lauwers‘ atemberaubendes Musik-Tanz-Spektakel The Blind Poet (Der blinde Dichter) trägt den Untertitel 7 Portraits. In diesem Stück haben sich die sieben Mitglieder der legendären Needcompany, die seit ihrer Gründung 1987 einen eigenen Stil aus unterschiedlichen Kunstformen und multimedialen Einlagen mit internationalem Ansatz pflegen, mit den vielseitigen Stammbäumen ihrer Mitglieder beschäftigt. Und so erzählen die Darsteller, angefangen von der Mitbegründerin des Ensembles Grace Ellen Barkey, einzeln von sich und ihren Vorfahren. Es entsteht ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Kaleidoskop aus Geschichten und Menschen, als Chor oder im Tanz, mal als einfache Erzählung, mal als Country- oder Rocksong dargeboten. Die Lebensgeschichten werden weit zurückverfolgt, bis zu den Wikingern, nach Troja und zu den Kreuzzügen. Zu sehen ist spannendes Körpertheater mit starken Anleihen beim Tanztheater, in farbenfrohen Kostümen und mit atmosphärischer Musik.
Es treten Clowns auf, rätselhafte Figuren und Gerätschaften, die aus einem Science-Fiction-Film entlehnt zu sein scheinen, ziehen die Zuschauer in ihren Bann, mit Tieren und bei Lanzenkämpfen geht es unterhaltsam zu. Dabei werden ernste Themen wie Krankheit, Alkoholabhängigkeit und Gewalt nicht ausgespart, aber es gibt genug schelmenhafte und komische Szenen, die nie zu viel Schwere aufkommen lassen. So dürfen sich die Besucher auf eine intensive, spannungsvolle, farbenprächtige und immer wieder überraschende Aufführung freuen, in der sich die individuellen Erzählungen als Wurzeln unserer Geschichte zu einem faszinierenden Ganzen zusammenfügen.

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